Mai 7 2011
CD Tipp – Till Brönner – At the End of the Day
Heute mal wieder ein CD Tipp für ein entspanntes sonniges Wochenende.
Till Brönner beweist mit seinem letzten Album “At the End of the Day” mal wieder, dass Jazz durchaus alltagstauglich klingen kann und nicht nur etwas für ausgesprochene Liebhaber dieses Genres ist. Aber hört selbst.
Summer Breeze
Air
I`m Only Human
Aus der Amazon.de-Redaktion
Nach Oceana (2006) und der Bossa-Nova-Hommage Rio (2008) stöbert er 2010 in einer universalen Pop-Bibliothek: „Wir haben das `Rio`-Programm ausgedehnt auf Konzerten in der ganzen Welt gespielt, ohne genau zu wissen, wohin die nächste Reise führen wird. Gleichzeitig habe ich die Begegnungen mit anderen Künstlern intensiviert. Daraus ist eine Sammlung entstanden, die kunterbunter nicht hätte sein können. Faszinations-Fundstücke aus meinem Leben, die ich letztlich danach ausgewählt habe, welche Möglichkeiten sie mir für den eigenen Ausdruck bieten.“ Brönner fiel die Wahl der 12 besten aus den etwa 30 Referenzsongs relativ leicht. „Während der Produktion haben wir die `Temperatur` für meine Stimme fließend erarbeitet. Letztlich konnte ich dann auf At The End Of The Day in Personalunion – als Trompeter und Sänger – agieren.“
Brönner bekräftigt, dass er auf musikhistorische Zusammenhänge verzichtet hat. „Space Oddity“ von Bowie steht genauso als eigenständiges Statement, wie es keine inhaltliche Brücke zwischen „Human“ von The Killers und „Human“ der britischen New-Wave-Band Human League gibt. Seine Trompete führt „Air“ aus der 3. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach in andere Sphären, genauso wie alle anderen Titel von seinem unverkennbarem Trompetenspiel leben. Brönners neues Album ist purer, ganz persönlicher Eklektizismus. Er durchkreuzt freischwebend ein Pop-Universum, bei dem die Beatles der frühen Sechziger auf das amerikanische 70er-Duo Seals & Croft („Summer Breeze“) treffen.
Die Aufnahmen entstanden – nach voran gegangenen Auswärts-Produktionen in Brasilien und Los Angeles – diesmal im heimischen Berlin: „Wir haben uns bewusst mit einer kompletten Live-Band für 2 Wochen ins Planet Roc-Studio zurückgezogen. Dort im alten DDR-Funkhaus gibt es große, hohe Räume, in denen die alten, analogen Instrumente optimal zur Geltung kommen konnten. Dort haben wir alle Songs zusammen Live eingespielt. Diese organische Stimmung beim Aufnahmeprozess war mir sehr wichtig. Im Anschluss habe ich mit langjährigen musikalischen Freunden von mir auf der ganzen Welt an den Titeln weiter gearbeitet. Für die Streicher-Recordings sind wir z.B. in Los Angeles ins legendäre Capitol Studio gegangen, die Holzbläser wurden in Stockholm aufgenommen.“
Hinter den Reglern saß erstmals der Produzent Andreas Herbig, der bislang ganz unterschiedliche Projekte mit Udo Lindenberg, A-Ha oder Ich + Ich betreut hat. Ein inspirierender Arbeitsprozess, bei dem es nicht darum gehen sollte, den Arrangements einen bestimmten (Pop-)Sound zu verordnen. „So läuft das ja nicht!“, sagt Brönner. „Andreas Herbig und Henrik Menzel haben die Rohstoffe, die wir ihnen angeboten haben, eher gehegt und gepflegt. Ich habe in den letzten Jahren schließlich selbst öfters in der Produzentenrolle gestanden und sie wiederum sind auch Musiker. Insofern sind keine unterschiedlichen Welten aufeinandergeknallt, sondern es kam genau zu diesem inspirierenden Austauschprozess, den ich mir vorgestellt hatte.“
Till Brönner betrachtet die Geschichte des Pop auf seine eigene Art. Wenn man ihn danach fragt, diskutiert er mit Freude über die künstlerischen Strategien von Lady Gaga und Amy Winehouse oder den Minimalismus von Techno. Doch mit seiner Musik zielt er in eine andere Richtung. Trends oder Strömungen des Undergrounds überlässt er anderen – und widmet sich einem Herzensthema: Der Zeitlosigkeit.
