Feb 1 2012
Update – Künstlerportrait Tine Thing Helseth
Nachdem ich euch vor einiger Zeit das Trompetenspiel Alison Balsoms empfohlen habe, möcht ich nun eine weitere junge Trompeterin aus Norwegen vorstellen.
Am besten seht ihr euch zuerst dieses Video an.
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Biographie
Quelle: Radio Swiss Classic
Tine Thing Helseth, Trompete
Die junge Trompeterin Tine Thing Helseth ist eines der gefragtesten Talente im internationalen Konzertleben. Die 1987 geborene Norwegerin spielt seit ihrem siebten Lebensjahr Trompete und studierte später am “Barratt Due Musikkinstitutt” in Oslo. Ihre Lehrer waren Heidi Johanessen (Den Norske Opera) sowie seit 2002 Arnulf Naur Nilsen (Oslo Filharmoniske Orkester).
Im Mai 2006 gewann sie den zweiten Preis beim “Eurovision Young Musician contest 2006″ in Wien. Verbunden mit diesem Preis war ein weltweit im Fernsehen übertragenes Konzert mit den Wiener Symphonikern, durch das sie schlagartig international bekannt wurde. Der Verleihung des Norwegischen Nationalen Talent-Preises 2004 schlossen sich der Gewinn des zweiten Preises beim internationalen Trompetenwettbewerb “Theo Charlier” 2005, die Ernennung zu Norwegens “Musician of the year 2005″, der “Oslo Music Teachers Foundation Prize of Honour 2005″, der Gewinn des “Yamaha Music Foundation Europe Scholarship 2006″, sowie der “Norske Solistpris 2006″ an.
Am 18. Dezember 2006 erhielt sie von Prinzessin Victoria in Stockholm den renommierten Schwedisch-Norwegischen “Prins Eugens Kulturpris”, nachdem sie am Festival “Kissinger Sommer” bereits den “Luitpold Preis” als beste und interessanteste Künstlerin des Jahres erhalten hatte.
Einladungen führten sie zu berühmten Orchestern wie den Wiener Symphonikern, der Württembergischen Philharmonie u.a.
Seit 2006 wird Tine Thing Helseth für vier Jahre durch ein STATOIL-Stipendium gefördert.
Das Interview mit Tine Thing Helseth führte Silvia Rietz
Tine Thing Helseth, Sie haben schon als Siebenjährige angefangen Trompete zu spielen. Was fasziniert ein Kind, dieses Instrument spielen zu lernen?
Ich habe sogar schon früher begonnen! Mit fünf Jahren wurde ich im Klavierspielen unterrichtet. Meine Mutter spielt Trompete und ich war schon von klein auf fasziniert von diesem Instrument. Und mit sieben fing auch ich an, Trompete zu spielen und habe mit dem Klavierspielen aufgehört. Von da an konnte kein anderes Instrument mehr mein Herz erobern… Trompete war viel interessanter!
Die Trompete ist mit Klischees bedeckt. Sie gilt als militärisches oder herrschaftliches Instrument. Was bedeutet die Trompete für Sie?
Die Trompete ist absolut flexibel, bietet unendlich viele Möglichkeiten punkto Klangfarben, Dynamik und Artikulation. Gerade auch, weil auf ihr so viele Musikvariationen möglich sind, darf man die Trompete als Standardinstrument bezeichnen. Je länger ich mich mit ihr beschäftige, desto mehr Potenzial entdecke ich mit ihr zusammen. Deshalb liebe ich sie so sehr.
Wie bringen Sie dem Publikum bei, dass die Trompete ein vollwertiges Soloinstrument ist?
Wir Trompeter verfügen nur über ein begrenztes Repertoire. Manchmal ein bisschen frustrierend, dass es keine Solo-Konzerte aus der Epoche der Romantik gibt. Im 20. Jahrhundert wurde wohl viel Musik im romantischen Stil geschrieben. Aber die Komponisten sind nicht so bekannt wie Brahms und Dvorak – entsprechend grösser ist die Herausforderung, diese Werke beim Publikum populär zu machen. Leider wird die Trompete bei Orchesterwerken selten als Soloinstrument eingesetzt. Doch ich hoffe, dass sich dies ändern wird und man bald Trompeten und andere Blasinstrumente mit lokalen Orchestern hören kann. Die Trompete eignet sich nämlich ausgezeichnet dazu: Sie lässt sich laut und kraftvoll spielen, zaubert aber auch sehr lyrische und weiche Töne hervor. Kurz gesagt: Mein Instrument klingt sowohl heroisch-brillant als auch poetisch.
Hat der Wettbewerbssieg beim “Eurovision Young Musicians” im 2006 und vor allem der Luipoldpreis beim “Kissinger Sommer” Ihr Leben stark verändert?
In Wien den EYM-Final zu erreichen, damit erfüllte sich bereits ein Traum. Als ich dann auch noch einen Preis gewann, erlebte ich einen der schönsten Momente meines bisherigen Musikerlebens. Der “Kissinger Sommer” ist ein grosses Festival in Deutschland. Natürlich fühlte ich mich als Luipold-Preisträgerin geehrt und glücklich, dort zu reüssieren. Solche Auszeichnungen berühren die Seele. Zu spüren, als Musikerin anerkannt zu werden, motiviert unglaublich.
Sie treten in Zürich, Olten und Bern mit dem Orchester INSO Lemberg unter der Leitung von Gunhard Mattes auf. Haben Sie schon gemeinsam konzertiert?
Bevor wir zusammen in die Schweiz kommen, werden wir an einem Festival in der Ukraine ein Konzert geben. Ich bin schon sehr gespannt auf die Zusammenarbeit. Ich mag es sehr, mit einem Ensemble über längere Zeit verbunden zu sein. Eine gewisse Kontinuität lässt die Interpretation reifen und gestattet, an Details zu feilen. Parallel dazu entwickelt sich abseits des Konzertbetriebes eine freundschaftliche Atmosphäre, die mich auch während der Auftritte trägt und den Reisestress vergessen lässt.
Im Juni werden Sie unter einem weiteren Schweizer Dirigenten spielen. Wie ist der Kontakt zu Manfred Obrecht zustande gekommen?
Ich habe noch nie mit ihm gespielt, doch ich freue mich sehr aufs KKL Luzern. Es war letztes Jahr ein verblüffendes Erlebnis, in diesem wunderbaren Saal aufzutreten. Nun freue ich mich, dort unter der Leitung von Manfred Obrecht zu spielen. Ich komme von der “Schul-Band-Tradition”: In Norwegen kennen wir Brass Bands (Blaskapellen) und Sinfonie Horn Bands, in welcher ich als Teenager zu spielen angefangen habe. Diese Erfahrungen nun mit Manfred Obrecht zu teilen und ins Konzert einfliessen zu lassen, empfinde ich als grossartige Chance.
Was bedeutet die Zusammenarbeit mit dem London Concert Symphony Orchestra?
Es wird für mich das erste Konzert mit einem britischen Orchester sein und ich kann es kaum erwarten. Und natürlich freue ich mich aufs Haydn Concerto, eines meiner absoluten Lieblingsstücke.
21 Jahre jung spielen Sie ein ausnehmend breitgefächertes Repertoire: Konzerte mit Trompete und Orchester, Rezitals und Kammermusik. Welcher Komponist zählt zu Ihren Favoriten?
Wie schon gesagt, Haydn ist wirklich grossartig. Aber ich habe keine besondere Favoriten. Ich schätze alle Repertoire-Stücke, die ich spiele. Da mischen sich neue Kompositionen von Jolivet mit Werken von Tomasi, Albinoni, Telemann und vielen anderen Tonschöpfern. Ich freue mich, mit einem Ensemble Kammermusik zu spielen, stehe jedoch genau so gerne als Solistin auf dem Podium. Ich bin einfach glücklich, wenn ich beides vereinen kann.



